Datenschutz unter Windows 10

Datenschutz unter Windows 10

Datenschutzrechtlich sind einige Funktionen des neuen Betriebssystems von Microsoft bedenklich. So sehr mir das Programm auch gefällt, einige Aspekte sind unschön.

Fast alle modernen Betriebssysteme schicken Daten des Nutzers an den Hersteller, zum Teil, um die Produktqualität zu verbessern, zum Teil um über personalisierte Werbung Einnahmen zu generieren. Microsoft weist im Gegensatz zu manch anderem Anbieter in seinen Datenschutzbedingungen relativ offen auf die gewünschte Verwendung von Daten hin.

Vorab: Ich übernehme natürlich keinerlei Haftung dafür, dass Ihr Betriebssystem durch die nachfolgend aufgezeigten Möglichkeiten Schaden nimmt. Gehen Sie bitte davon aus, dass alle oben genannten Tipps absolut gefährlich sind und zum Versagen des Systems führen.

 

Datenschutz über das normale Menü

Eine Vielzahl von Übermittlungsfunktionen lassen sich schon standardmäßig (Einstellungen – Datenschutz) abstellen, darüber hinaus gibt es noch einige Schutzmaßnahmen, die ergriffen werden können. Die Einstellung rufen Sie mit der WindowsTaste + I auf.

Hier können Sie die Vergabe einer einmaligem Werbung-ID, die Standortübermittlung, den Zugriff auf Mikrofon und Kamera und vieles mehr nach ihren persönlichen Wünschen abstellen.

In der Rubrik „Einstellungen – Datenschutz – Feedback und Diagnose“ können Sie einstellen, wie oft Microsoft Sie um ein Feedback anfragen darf. Hier können Sie auch die Option „Nie“ auswählen, falls Sie nicht angefragt werden möchten.

Update 29.112.2015: Einen sehr anschaulichen Leitfaden hat der Datenschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg zum Download bereitgestellt.

 

Datenschutz durch kleinen Eingriff in die Registry

Bezüglich der „Diagnose- und Nutzungsdaten“ können Sie aber standardmäßig nur eine Reduzierung vornehmen, keinen Ausschluss. Was genau darunter zu verstehen ist, lässt sich nur anhand der Datenschutzbestimmungen, die Sie in dieser Rubrik aufrufen können, erahnen: Microsoft nimmt sich das Recht heraus, sogar den Inhalt ihrer E-Mails oder ihres persönlichen Ordners (also Dokumente, Fotos, Videos) zu erfassen und zu teilen, wenn das Unternehmen dies aus den angegebenen Gründen für notwendig erachtet. Dies ist mit deutschem Recht unvereinbar, die ungenehmigte Weitergabe von E-Mails beispielsweise ist nicht vom guten Glauben des Softwareanbieters abhängig, sondern erfordert in Deutschland einen gerichtlichen Beschluss. Die Übermittlung von Daten ohne gerichtlichen Beschluss oder sonstige Rechtfertigung, etwa Einwilligung des Betroffenen, kann sogar eine Straftat nach §§ 202a oder 202b StGB sein.

So verteidigen Sie sich: Öffnen Sie mit der WindowsTaste + r  die „Ausführen“-Maske, geben Sie das Programm „regedit.exe“ ein  und suchen Sie dort den Pfad “HKEY_LOCAL_MASCHINE – Software –Policies –Microsoft – Windows – DataCollection“. Sofern dort außer dem Eintrag Standard kein weiterer Eintrag vorhanden ist, klicken Sie in das rechte Feld mit der rechten Maustaste auf „Neu – DWORD-Wert (32bit)“ und geben Sie dem neuen Wert den Namen „AllowTelemetry“. Der Standardwert ist (0) wird vorgegeben und dies bedeutet, dass die Telemetrie nicht ausgeführt wird. In dem Einstellungsmenü „Feedback und Diagnose“ können Sie nunmehr feststellen, dass auch die einfache Nutzerdatenübertragung nicht mehr aktiviert ist.

 

Datenschutz durch Abschalten von Diensten

Gehen Sie ferner in die „Diensteverwaltung“ (einfach über die Suche den Begriff „Dienste“ eingeben), suchen Sie dort den Dienst „Diagnosenachverfolgungsdienst“ und deaktivieren Sie diesen Dienst (doppelklicken, dann deaktivieren wählen). Das gleiche machen Sie mit dem Dienst „dmwapppushsvc“.

Aktualisierung 9.11.15: Mit dem Update 1511 vom November 2015 ist der erste Dienst scheinbar nicht mehr in Betrieb.

 

Datenschutz durch Edge verbessern/Suchmaschinenwechsel

Auch die Einstellung von DuckDuckGo als Standardsuchmaschine schützt Ihre Daten unter allen Betriebssystem, also auch Windows 10. Bing findet sich standardmäßig im neuen Browser als Suchmaschine, es lässt sich aber unter dem Browser eine beliebige andere Suchmaschine einstellen. Hier ist DuckDuckGo erste Wahl. Einstellen: “ …  im Browser anklicken – Einstellungen – Erweiterte Einstellungen anzeigen – In Adressleiste suchen“ und duckduckgo.com eingeben. Bei dieser Gelegenheit können Sie auch den Flashplayer abstellen, der sehr fehlerträchtig ist, alle Vorauswahlen löschen und damit haben Sie sich wieder ein bisschen geschützt.

Wer ganz sicher gehen möchte benutzt TOR, das anonyme Netzwerk. Genaueres unter TOR Browser. Es handelt sich um einen speziell eingerichteten Firefox-Browser, der nicht nur keine Daten speichert, sondern auch die IP-Adresse des Nutzers verschleiert.

 

Achtung Haftungsfalle

Sehr bedenklich ist auch die Voreinstellung der Öffnung des eigenen WLAN für andere Nutzer. Sie finden in der Rubrik „Einstellungen – Netzwerk und Internet – WLAN – WLAN-Einstellungen verwalten“ die Option „Verbindung mit Netzwerken herstellen, die von meinen Kontakten freigegeben werden“. Dies soll die Möglichkeit eröffnen, bei Freunden und Bekannten, die im Kontakteverzeichnis aufgelistet sind, mit deren Netzwerk verbunden zu werden. Das mag sehr praktisch sein, weil der Netzwerkschlüssel bei Freunden und Bekannten nicht extra eingegeben werden muss.

Unter Umständen haftet jedoch derjenige, der diese Option freigegeben hat als Störer, wenn von Rechnern, die in seinem Netzwerk betrieben werden, urheberrechtliche Verletzungshandlungen begangen werden. Sie sollten diese Option auf jeden Fall ausschalten, um sicher zu gehen.

 

Datenschutz unter Windows 7 und 8

Deinstallieren Sie – sofern überhaupt vorhanden – folgende optionale Software-Updates:

KB3068708, KB3022345, KB3075249, KB3080149

Diese Updates übernehmen ähnliche Funktionen wie sie unter Windows 10 erörtert sind. Bei der nächsten Suche nach Updates werden diese natürlich wieder aufgeführt. Dann einfach mit der rechten Maustaste draufdrücken und auswählen „Update ausblenden“. Rückgängig machen kann man dies mit der rechten Maustaste und der Auswahl „Update einblenden“.

Wer möchte, kann sich so auch vor dem Windows 10 Update verwahren.

 

Fazit:

Es gibt einige offene Möglichkeiten, seine persönlichen Daten zu schützen, einige kleine Tricks erweitern den Schutz gegenüber der Tendenz des Betriebssystems „nach Hause zu telefonieren“.

Die eine oder andere Verteidigungsmöglichkeit gegen die Datensammelwut wird vielleicht in zukünftigen Updates von Microsoft ausgeschaltet, vorläufig können Sie aber ein bisschen mehr an Datensicherheit gewinnen.

 

 

 

2 Responses to “Datenschutz unter Windows 10”

  1. Werner sagt:

    „Diagnosenachverfolgungsdienst“
    … wurde seitens Microsoft umbenannt.

    Wer den Diagnosenachverfolgungsdienst in Windows 10 ab Version 1511 sucht, wird ihn nicht mehr finden – denn Microsoft ihn umbenannt in „Benutzererfahrung und Telemetrie im verbundenen Modus“.
    Laut Microsoft tut dieser „neue“ Dienst folgendes:

    Durch den Dienst für Benutzererfahrung und Telemetrie im verbundenen Modus werden Features aktiviert, die Benutzerfreundlichkeit in Anwendungen und im verbundenen Modus unterstützen. Außerdem verwaltet dieser Dienst die ereignisgesteuerte Sammlung und Übertragung von Diagnose- und Nutzungsdaten (die zur Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit und Qualität der Windows-Plattform eingesetzt werden). Dazu müssen die Diagnose- und Nutzungseinstellungen in der Datenschutzoption unter „Feedback und Diagnose“ aktiviert sein.

    Ein Schelm, wer Böses … 😉

    • Schiller sagt:

      Danke für den zutreffenden Hinweis.
      Der Dienst heißt weiter DiagTrack und findet sich bei den Diensten unter dem angegegeben Namen „Benutzerfahrung und Telemetrie im verbundenen Modus“.
      Er lässt sich über die Diensteeinstellungen manuell deaktivieren.

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